Gelesen: Coaching-Bücher, die ich empfehlen kann

27. Juli 2015

Ich habe es tatsächlich geschafft, eine ganze Menge der Bücher, die sich hier gestapelt haben, in den letzten Wochen zu lesen. Vor allem Coaching-Bücher habe ich schon eine ganze Weile auf der Liste gehabt. Die besten möchte ich hier nach und nach vorstellen.

 

 

„Denken Sie jetzt bitte nichts! – Warum wir instinktiv die besten Entscheidungen treffen“ von Andrea Jolander: Die Autorin ist Psychotherapeutin und meint, dass Menschen auch ohne Therapie einiges (mehr) über sich wissen sollten. Zum Beispiel über unser Unterbewusstsein. Sie beschreibt die Funktionsweise sowie die Vor- und Nachteile unseres Unterbewusstseins und erklärt anschaulich, warum es sich lohnt, sich auf das eigene Unterbewusstsein und die dort getroffenen Entscheidungen zu verlassen. „Für alles, was wir tun – selbst wenn es uns noch so unerklärlich und sogar verkehrt erscheint -, gibt es Gründe.“ Frau Jolander schreibt leicht und sehr unterhaltsam. Die vielen Beispiele, Geschichten aus ihrer Praxis und wissenschaftlichen Ergebnisse sorgen für viele Aha-Erlebnisse. „Mir ist die Lösung im Schlaf gekommen, sagen viele Leute, was eigentlich nicht stimmt. Denn nur der Chef (der Kopf, Anm.) hat geschlafen. Die Mitarbeiter (das Unterbewusstsein, Anm.) waren fleißig und kamen (…) auch deshalb besonders gut voran, weil der chef abwesend war und nicht nerven konnte.
Unser Unterbewusstsein ist die Anhäufung unenedlich vieler Informationen und Erfahrungen, es ist ein Resultat aus Erziehung, gesellschaftlicher Normen und erlernter Bindungen. Einmal abgespeicherte Informationen und erlernte Verhaltensweisen helfen uns zwar, künftig schneller zu reagieren, lassen uns aber kaum Zeit, um zu hinterfragen, ob die Entscheidung auch das Beste für uns ist. Um unser Unterbewusstsein optimal nutzen zu können brauchen wir die Erfahrung von Zuverlässigkeit und Vorhersehbarkeit sowie Feinfühligkeit bzw. Empathie.
Die Autorin beschreibt ausführlich, wie wir die Erfahrung von Zuverlässigkeit und Vorhersehbarkeit in der frühen Kindheit machen (und unseren Kindern vermitteln können) und wie sich die Erfahrung von Unzuverlässigkeit und Unsicherheit auf das spätere Leben und das Unterbewusstsein auswirken.Und schließlich geht es darum, wie Erfahrungen von Unzuverlässigkeit, Unsicherheit und Chaos überwunden werden können und wann eine Therapie sinnvoll sein kann.
Das Buch ist unterhaltsam und sehr informativ. Ein Tipps für alle, die mehr über „ihr Bauchgefühl“ erfahren wollen. Vor allem der erste Teil ist absolut gelungen. In den weiteren Teilen fehlt mir manchmal der rote Faden und der Bezug zum Titel.

„Soforthilfe bei Stress und Burn-out – Das Praxisbuch“ von Horst Kraemer: Das Buch räumt zunächst mit einigen Punkten auf: Es gibt keine fertigen Tipps und keine Bestätigung der Opferrolle und der Idee, die Welt würde uns zu viel abverlangen. Der Leser wird aufgefordert, selber Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen und für sich herauszufinden, wo Veränderungen notwendig sind.
Das Buch beschreibt, wie das Leben ist, wenn es in Balance ist. Herr Kraemer unterscheidet fünf Balancefaktoren (Körper, Beziehung, Arbeit, Freizeit, Muße) und bietet Fragebögen und Übungen, um die Punkte herauszufinden, in denen eine Veränderung notwendig ist. Herr Kraemer stellt zunächst die Methode Neuroimagination vor und stellt drei Übungen vor, die aufeinander aufbauen. Bei der Neuroimagination handelt es sich um eine Kom­bi­na­tion aus Kör­per­übungen, Atem­tech­niken,
Hirn­re­gio­nen­ak­ti­vie­rungen durch eine Rechts-Links-Stimulation, Ent­span­nungs­trai­ning sowie Gedanken- und Kon­zen­tra­ti­ons­übungen. Im Buch gibt es einen Code, mit dem man sich die Übungen im Internet anhören und so besser darauf konzentrieren kann. Allerdings muss man sich dafür registrieren.
Nach einem Infoteil über Stress stellt Kraemer sein 7-Punkte-Programm gegen Stressfolgen vor, in denen es darum geht, den eigenen Zustand realistisch einzuschätzen, zur eigenen Kraft zurückzufinden, die eigenen Grenzen kennen- und einhalten zu lernen, die innere Einstellung zu verändern, das Leben in eine gute Balance zu bringen, gelassener zu werden und Ziele zu definieren. Die Punkte bauen aufeinander auf und es gibt viele Fragen und (Neuroimaginations-)Übungen.
Ein wirklich hilfreiches Buch bei Stress und beginnendem Burn-out für alle, die wirklich etwas in ihrem Leben verändern wollen. Zum Burn-out selber gibt es leider relativ wenig Informationen. Auch bei den 7 Punkten hätte ich mir mehr Informationen und praktische Tipps gewünscht. Trotzdem machen die vielen Fragebögen, Übungen und Verträge das Buch rund. Für jemanden, der noch keine Erfahrungen mit Coaching gemacht hat, sind die Übungen sehr herausfordernd.

„Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem: Provokatives Coaching für den Berufsalltag“ von Jonathan Briefs: „Eine Möglichkeit, das Verfallsdatum des Problems nach hinten zu verschieben, besteht darin, dem problem mit offenkundiger Bewunderung zu begegnen. […] Das Problem erscheint so außergewöhnlich und unvergleichlich. Man sollte es glatt unter Artenschutz stellen. Zum Weltkulturerbe erklären. Mindestens.“ Herr Briefs ist Coach, Kommunikationstrainer und Humorberater. Er arbeitet unter anderem mit der österreichischen Skisprungnationalmannschaft zusammen.
Die einzelnen Coaching-Elemente bringt er dem Leser auf prvokative Art und Weise, als „Anleitung zum Misserfolg“, näher. Dabei wechselt er zwischen provokative Teilen, Beispielen aus seiner Zeit mit den Spitzensportlern und praktischen Übungen. Auch wenn das Buch sehr unterhaltsam ist und sich gut in einem Stück lesen lässt, empfehle ich, jedes Kapitel auf sich wirken zu lassen. Vor allem auch deshalb, weil der Wechsel zwischen den Kapiteln machnmal etwas verwirrend ist und nicht immer sofort ersichtlich ist, ob es sich um eine Provokation oder ein sachliches Kapitel handelt. Die Tipps lassen sich jedoch perfekt auf die eigene Arbeitssituation oder auch private Ziele übertragen. Den provokativen Ansatz finde ich sehr spannend und eine sehr gute Ergänzung im Coaching.

 

Was sind die besten Bücher, die du in der letzten Zeit gelesen hast?

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