Mit Bedeutung gegen den Optimierungs- und Selbstverwirklichungswahn

21. Juli 2016

Ich bin gerade ziemlich urlaubsreif. Und müde. Müde macht mich auch der ganze Optimierungs- und Selbstverwirklichungswahn, von dem ich mich immer wieder fasziniert bin: Ortsunabhängig, super fit und super gesund, selbst entfaltet und verwirklicht, autonom, authentisch, achtsam, im Flow und glücklich.

Auf Bildern, in Artikeln, in Büchern, wo ich hinschaue, wird mir vorgegaukelt, dass ich mich nur anstrengen, entspannen, konzentrieren,… muss, um mich weiter zu optimieren. All diese Punkte haben ihre Berechtigung, aber der Anspruch erdrückt mich. Was nützt mir alle Optimierung, wenn von mir nur eine leere Hülle übrig bleibt?

 

Bedeutung

 

Diese ganzen Ansprüche kommen mir wie ein großes Missverständnis vor. Entfaltung, Kreativität, Autonomie, Authentizität und Achtsamkeit, all das ist sehr wichtig, aber im Grunde möchte ich mich einfach nur aufgehoben fühlen. Ich möchte etwas geben und merken, dass etwas zurückkommt. Ich möchte tun, was ich wirklich gut kann und merken, dass ich damit etwas bewirken kann.

Neulich habe ich in einem Artikel etwas gelesen, was in etwa das Folgende aussagte: In der immer schneller und voller werdenden Zeit streben wir nach Langsamkeit und Minimalismus, aber im Grunde suchen wir nach Bedeutung.

Was gibt meinem Leben Bedeutung? Wofür lohnt es sich, innezuhalten, Prioritäten zu setzen und anderes stehen und liegen zu lassen? Was kann ich tun, um etwas zu bewirken?

Ich glaube, da gibt es keine festen Regeln, keine allgemeinen Tipps. Das ist für jeden etwas anderes und auch für mich kann sich das täglich ändern. Tiefe Freundschaften geben mir Bedeutung, ein Spaziergang im Grünen, ein Song im Radio, ein gutes Buch, ein Gebet,… Aber Bedeutung ist nicht ständig verfüg- oder kontrollierbar. Wenn ich mein Lieblingslied in Dauerschleife höre, kann ich es bald nicht mehr leiden. Wenn ich jeden Tag die selben Achtsamkeitsübungen mache, gehen sie mir schnell auf die Nerven.

Wenn etwas für mich, Bedeutung hat, wenn ich etwas geben kann, was bei anderen auf Resonanz stößt, wenn etwas dazu führt, dass es mir gut geht und ich neue Energie bekomme, dann spüre ich das. Ich beginne zu leuchten, bin entspannter, motiviert und glücklich. Mein Mann sagt mir: „Deine Augen leuchten! Was ist passiert?“.

Ich wünsche mir und dir viele solcher „Leuchtende-Augen-Momente“! …und ein wachsames Herz für die Dinge, Kontakte und Momente, die uns gut tun!

 

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Anna

Danke für diesen Post. Mir geht’s gerade ähnlich und ich habe auch einen halbfertigen Post dazu „in der Schublade“, lann lasse ich aber noch ein bisschen schlummern und schau mal, ob er nach der Ostseewoche noch aktuell ist oder ob ich einfach „nur“ urlaubsreif, genervt und PMS-ig unterwegs bin. 😉

Dir wünsche ich viele Momente, in denen die Augen leuchten. 😉

LG Anna

LG Anna

Julika - 45 lebensfrohe Quadratmeter

Ja, ich weiß was Du meinst. Sich nicht von dem ganzen Optimierungswahn stressen oder beeindrucken zu lassen, ist schon nicht so leicht – schließlich gibt`s ihn ja wirklich in jeder Lebenslage. Aber ich glaube, wenn es erstmal so ist, dass die eigene Balance gefunden wurde, ist das dran halten nicht mehr so schwer. Aber die eigene Baöance zu finden, da muss man erstmla hinkommen. ; )
Viele liebe Grüße! Julika

Die Rabenfrau

Hallo Sonja, diesen Trend zur Selbstoptimierung fand ich anfangs ganz toll, aber irgendwann reichte es mir einfach. Natürlich sollte man nicht den ganzen Tag einfach nur herum gammeln, aber immerzu besser werden, das kann’s ja auch nicht sein, gell?
Grüßle
Ursel, die sich meistens ganz gut fühlt, wie sie ist.