Wie Kinder heranwachsen, die eigenständig denken und kritisch hinterfragen

9. November 2016

In einer Welt, die sich ständig verändert, brauchen wir Menschen, die Fragen stellen und nicht alles als gegeben hinnehmen, die nachdenken, bevor sie Entscheidungen treffen, die ihr eigenes und das Leben anderer nachhaltig verändern. Wir brauchen Kinder, die zu Erwachsenen heranwachsen, die kritisch hinterfragen und keinen Populisten hinterherlaufen.

Angesichts der aktuellen politischen Lage beschäftigt mich als Mutter diese Frage sehr: Wie können wir es schaffen, unsere Kinder so großzuziehen, dass sie kritisch hinterfragen und nicht einfach Leadern hinterherlaufen?

 

kinder-kritisch-hinterfragen

Es bedarf komplexen analytischen Fähigkeiten, die es einem erlauben, die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer in Balance zu setzen und zu bewerten, ob es sich bei einem sogenannten Experten wirklich um jemanden handelt, dem man bei der aktuellen Fragestellung vertrauen kann.

Kinder haben diese Fähigkeiten nicht von Anfang an. Aber wir können eine Umgebung schaffen, in der unsere Kinder darauf vorbereitet werden, zu eigenständigen Denkern heranzuwachsen. Die folgenden Voraussetzungen fördern eine solche Umgebung:

  1. Kinder brauchen die Erfahrung: Meine Ideen, meine Beiträge sind wichtig und werden gewertgeschätzt.
  2. Kinder brauchen beide Erfahrungen: Herausforderungen, an denen sie wachsen können und Unterstützung, wenn sie sie brauchen.
  3. Entwicklung entsteht oft durch neue und ungeplante Erfahrungen. Kinder brauchen dafür Zeit und Raum.
  4. Eine gute Ausbildung sollte beides anregen und unterstützen: intellektuelles und emotionales Wachstum.

Das ist etwas theoretisch. Wie können wir als Eltern ganz praktisch in unserem Alltag dafür sorgen, dass unsere Kinder in einer solchen Umgebung groß werden? Hier sind ein paar Ideen dazu:

Wir lassen unseren Kinder wissen und fühlen, dass ihre Meinung wichtig und willkommen ist.

Dazu gehört, dass wir unsere Kinder an Entscheidungen teilhaben lassen. Wir ermutigen sie, Fragen zu stellen (ohne dass sie Angst haben, für „dumme“ Fragen ausgelacht zu werden). Wir hören ihnen zu, wenn sie uns etwas erzählen oder Fragen stellen.

Wir ermutigen unsere Kinder, selber Lösungen zu finden und eigene Wege auszuprobiern.

Wenn unsere Kinder uns Fragen stellen, können wir hin und wieder mit einer Gegenfrage antworten. Wenn sie zum Beispiel wissen wollen „Warum darf ich noch nicht … ?“, kann ich antworten „Was meinst du denn, warum du noch nicht … darfst?“. Kinder lernen auf diese Weise, sich selber Gedanken zu ihren Fragen zu machen. Dies hilft Kindern außerdem dabei, zu begreifen, dass sie das Recht und die Verantwortung haben, selber Antworten zu finden und eigene Meinungen zu formulieren.

Wir lassen unsere Kinder an unserem Leben teilhaben und neue, eigene Erfahrungen machen.

Wenn wir unsere Kinder an unserem Leben teilhaben lassen, bekommen sie auch mit, wie wir Entscheidungen treffen. Je nach Alter der Kinder sollten das unterschiedliche Themen sein: Warum wir welche Produkte im Supermarkt kaufen (oder auch nicht kaufen) oder warum und wen wir wählen gehen.

Wenn unsere Kinder in der Öffentlichkeit Fragen stellen (Warum ist die Haut von dem Kind so dunkel? Warum kann der Mann nicht laufen? …), versuche ich, sie zu beantworten.

Wir ermutigen unsere Kinder, mit unterschiedlichen Kindern zu spielen und anderen Fragen zu stellen, wenn sie etwas interessiert.

Wir unterstützen unsere Kinder dabei, intellektuell und emotional zu wachsen.

Auch wen es wichtig ist, Kindern fragen zu stellen und sie herauszufordern, eigene Antworten und Lösungen zu finden, gibt es Zeiten, in denen sie das überfordert und sie müde sind. Es liegt an uns, unsere Kinder kennen zu lernen und sensibel zu sein und ihnen manchmal zu helfen oder eine Lösung zu finden, die gut für sie ist.

Wir möchten unsere Kinder unterstützen, ihre Grenzen kennen zu lernen und Pausen zu machen, wenn sie sie brauchen.

Außerdem möchten wir unsere Kinder ermutigen, sich in Gefühle und Meinungen anderer hinein zu versetzen. Das können Kinder etwa ab dem vierten Lebensjahr. Wir können hier ein Vorbild sein, indem wir uns in unsere Kinder hinein versetzen bzw. mit unseren Kindern gemeinsam versuchen, uns über die Meinungen anderer hinein zu versetzen.

 

Ich wünsche mir für meine Mädels, dass sie ihr eigenes Leben leben und glücklich werden, ohne sich von anderen manipulieren zu lassen. Aber ich wünsche mir auch, dass sie Verantwortung in der Gesellschaft und für die Demokratie übernehmen können und werden. Und dass sie mutig sind, Fragen zu stellen, die andere (noch) nicht beantworten können.

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sternenglück

Liebe Sonja,
danke für deinen tollen Artikel! Ich hätte es wohl nicht so gut formulieren können, aber diesen Ansatz verfolge ich auch. Ich finde es so wichtig, dass Kinder ernst genommen werden, man Ihnen Gehör schenkt, ihre Sicht der Dinge nachvollzieht und ihre Fragen beantwortet. Gerade die Fragen meiner Kinder faszinieren mich sehr, zeigen sie doch womit sich die Kinder beschäftigen.
Liebe
Sternie

P.S. Ich habe meine Blogroll überarbeitet, nun ist deine neue Adresse hingelegt.

LandEi

Liebe Sonja, genau zu diesem Thema hatte ich gestern ein interessantes Gespräch mit unserer Großen, die sich in der Ausbildung zur Erzieherin befindet. Wir denken beide, die Basis für selbstständig-kritisches Denken sind ein gesundes Selbstbewusstsein und bestimmte Werte, die erlernt werden. Mit Hilfe dieser Werte wie z.B. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit oder Respekt vor anderem Leben wird ein Kind das Gefühl dafür entwickeln, wenn etwas „nicht stimmt“ und mit dem nötigen Selbstvertrauen wird es hinterfragen können, was da schief läuft bzw. was besser laufen könnte. Und wenn es dann noch die Erfahrung gemacht hat, dass es gehört wird, wird es das auch… Read more »

Missionmom

Liebe Sonja
Einen tollen Blog hast du da.Dieser Artikel hat mir besonders gefallen♡-liche grüsse Missionmom