Verletzlichkeit | Ein Lesetipp

7. Februar 2018

In den letzten Wochen hat mich ein Buch zum Thema Verletzlichkeit sehr berührt. Über ihre beiden (englischen) TED-Talks über Verletzlichkeit und Scham bin ich auf das Buch von Brené Brown aufmerksam geworden und habe es (vor dem Kamin) verschlungen.

Es hat mir noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt, dass wir alle verwund- und verletzbar sind, aber alles dafür tun, dass es keiner merkt. Gleichzeitig bewundern wir es an anderen und finden es mutig, wenn sie sich verletzbar zeigen.

 

Verletzlichkeit mach starkinterior

 

Über das Buch „Verletzlichkeit macht stark“ von Brené Brown

Die Amerikanerin Brené Brown studierte Sozialarbeit und forscht zu Themen des menschlichen Verhaltens. Das Buch lässt sich nicht „mal eben“ durchlesen und an manchen Stellen ist es sogar etwas langatmig. Trotzdem konnte ich es nicht weglegen, viele Stellen haben mich sehr berührt, ich musste das Gelesene „sacken lassen“.

Brené Brown zeigt zunächst, wie wichtig es für ein lebendiges und authentisches Leben ist, die eigene Unzulänglichkeit nicht zu verstecken. „Verletzlichkeit ist der Kern aller Emotionen und Gefühle. Zu fühlen heißt, verletzlich zu sein. Zu glauben, Verletzlichkeit sei Schwäche heißt, Gefühle für etwas Defizitäres zu halten. Indem wir uns gegen unsere Emotionen aus der Angst heraus abschotten, dass wir einen zu hohen Preis für sie zahlen könnten, entfernen wir uns von dem, was dem Leben Sinn verleiht. (…) Wir wünschen uns mehr Freude im Leben, aber gleichzeitig können wir die damit einhergehende Verletzlichkeit nicht aushalten.

Sie schreibt über unsere Angewohnheit, uns für unsere Unzulänglichkeiten zu schämen. Wir erleben uns und unser Leben als mangelhaft und versuchen, dies vor uns selbst und anderen zu vertuschen. „Was in einer Mangelkultur am meisten auf der Strecke bleibt, sind unsere Bereitwilligkeit, zu unserer Verletzlichkeit zu stehen, und unsere Fähigkeit, uns auf das Leben von einer Warte des gesunden Selbstwertgefühls her einzulassen„. Dies führt dazu, dass es uns schwer fällt, echte und tiefe Beziehungen zu führen. Vertrauen ist das Ergebnis von Verletzlichkeit„. Das Buch macht Mut, zur eigenen Verletzlichkeit zu stehen, um tiefe und ehrliche Verbundenheit mit anderen Menschen zu erleben. „Nach fünfzehn Jahren in der Sozialarbeit war ich mir einer Sache sicher: Verbundenheit muss der Grund sein, weswegen wir auf der Erde sind.

Das Buch hat mich außerdem darüber nachdenken lassen, was ich meinen Kindern vorleben möchte und wie wichtig es ist, auch vor meinen Kindern authentisch zu sein und ihnen meine Unzulänglichkeit zu zeigen. „Perfektionismus motiviert unsere Kinder nicht, exzellente Ergebnisse anzustreben oder ihr Bestes zu geben. Perfektionismus führt vor allem dazu, dass sie das, was andere denken für wichtiger halten als das, was sie selbst denken oder empfinden.“ „Dass unsere Kinder an ihren Selbstwert glauben, setzt voraus, ihnen diese Reise und dieses innere Ringen authentisch vorzuleben.

Das Buch bietet keinen Lösungswege an, aber es berührt, lädt zum Nachdenken ein und inspiriert durch viele Geschichten und Vergleiche, sich mit den eigenen Beziehungen und der eigenen Verletzlichkeit auseinanderzusetzen.

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Mimi

Guten Morgen Sonja,
eine Frage ist mir beim Durchlesen des Beitrags erneut durch den Kopf gegangen: kann es nicht passieren, dass ich meine Kindern zu viel zumute, wenn ich ohne Maß meine Verletzlichkeit vorzeige/vorlebe? Wie ist es, wenn ein Elternteil unter Depressionen leidet? Ist da nicht ggf. sinnvoll, die Verletzlichkeit, die man während eines Tiefs empfindet, doch etwas von de Kindern zurückzuhalten? Im Grunde bin ich seit Wochen auf der Suche nach dem Antwort auf diese ganz persönliche Frage.

Liebe Grüße aus der „Nachbarschaft“
Mimi