Über die Ostertage gelesen: Familienleben vereinfachen, Die Magie des Konflikts und Veränderungen angehen

17. April 2020

Es gab hier länger keinen Post mehr. Dafür ist im Leben 1.0 eine Menge passiert. Unter anderem sind wir umgezogen und renovieren unser neues Zuhause. Über die Ostertage habe ich aber trotzdem die Tage (und das schöne Wetter) genutzt, um ein paar Bücher zu lesen. Das am liebsten in unserem Wintergarten, der schon einigermaßen gemütlich eingerichtet ist. Drei der Bücher möchte ich heute vorstellen:

Wintergarten Kaffee
Lesetipps

Magie des Konflikts – Warum ihn jeder braucht und wie er uns weiterbringt*“ von Reinhard K. Sprenger

Dieses Buch ist eine absolute Bereicherung zum Thema Konflikt – sowohl für den privaten als auch den beruflichen Bereich! Der Autor beleuchtet das Thema von vielen unterschiedlichen Seiten und sagt vor allem: Konflikte sind nicht etwas, was wir vermeiden sollten, sondern wir sollten akzeptieren, dass sie normal und sogar hilfreich sind. Harmonie kann sogar trügerisch sein, wenn Konflikte unausgesprochen bleiben. Genauso problematisch ist, wenn die Gesellschaft verlernt, Probleme öffentlich zu diskutieren.

„Das Einfachste als das Schwierigste: das fundamentale Anerkennen der Tatsache, dass die Welt mehrdeutig ist. Dass alle Werte ambivalent sind, alle Interessen berechtigt und alle Erwartungen erfahrungsgesättigt.“

Wir müssen lernen, diese Mehrdeutigkeit auszuhalten, denn wir alle stehen täglich vor Problemen und müssen kulturelle Unterschiede ebenso ausgleichen wie jene von Temperamenten.

Der Autor beleuchtet die Mehrdeutigkeiten von Konflikten, sowie psycho-soziale und systemische Konflikte. Ein eigenes Kapitel widmet sich explizit dem Thema Führung. Immer wieder gibt es Zwischentexte, die einzelne Aspekte oder Begriffe tiefer beleuchten. Aufgelockert wird das Buch mit „Zwischentexten“, die eine Thematik oder einen Begriff vertiefen. Außerdem gibt es den ein oder anderen Tipp und praktische Anwendungen.

„Das Einzige, was wir tun können, ist korrigieren. Immer wieder.“

Simplicity parenting – Weniger ist mehr. Was Kinder wirklich brauchen, um ausgeglichen, glücklich und rundum geborgen aufzuwachsen*“ von Kim John Payne

Auch wenn wir schon ziemlich minimalistisch leben, war dieses Buch eine wirklich große Inspiration für mich. Der Autor ist Australier und seit vielen Jahren pädagogischer Berater für überforderte Eltern. Im Buch beschreibt er viele Beispiele aus seiner Praxis, die sehr gut verdeutlichen, wie hilfreich und heilsam eine Vereinfachung der unterschiedlichen Lebensbereiche für Kinder, aber auch Eltern sein kann. Außerdem gibt er viele hilfreiche und gut umsetzbare Tipps. Besonders im ersten Kapitel des Buches beschreibt er, warum dies so wichtig ist. „Durch Vereinfachen schützen wir das Lebensumfeld der Kindheit, damit sie sich in dem ihr eigenen Tempo entfalten kann.“, denn „eine geschützte Kindheit ermöglicht eine langsame Entwicklung der Identität, des Wohlbefindens und der Widerstandskraft.“ Daran muss nicht gezogen, beschleunigt oder gefördert werden. Im Alltag sehr vieler Familien sieht es jedoch oft anders: „Während unsere Welt auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, ziehen wir unsere Kinder nicht nur mit, sondern übertragen diesen Optimierungsprozess auch auf sie.“

Was dann passiert, kenne ich aus unserem Alltag auch: Wir setzten alles daran, dass es funktioniert und wir „unter einen Hut bekommen“, aber unser Leben wird „abgekoppelt von den Hoffnungen und Träumen, die wir für unsere Familie hegen.“ Wir stellen uns nun immer mal wieder die Frage:

Was brauchen wir / Was können wir jetzt tun, um unsere Hoffnungen und Träume bezüglich unserer Familie wieder in den Fokus zu stellen?

Vereinfachung kann hier ein Schlüssel sein, um unseren Alltag wieder an unsere Hoffnungen anzupassen. Und Hoffnung wiederum ist der Schlüssel, um die Ängste, die wir (um unsere Kinder und ihre Zukunft) haben nicht zu groß werden zu lassen.

In den nächsten Kapiteln geht es dann um einzelne Lebensbereiche. Zunächst geht es um eine akute Überforderung bei Kindern, der Autor nennt sie Seelenfieber. Wir können (wieder) lernen zu erkennen, wenn das System unserer Kinder aus dem Gleichgewicht gerät und den Fürsorge-Instinkt wecken. Auch dies ist leichter, wenn wir das Leben vereinfachen. „Indem wir in unserem vollen Terminkalender Zeit freischlagen, legen wir besonderes Gewicht auf die Bindung zu unserem Kind […] und schaffen Raum zum Nachdenken und Auftanken.“

Dann geht es um die Dinge, die uns umgeben. „Dieser Überfluss an Produkten und Spielsachen ist nicht nur ein Symptom des Exzesses, sondern kann auch zu innerer Zerrissenheit und Überlastung führen. Eltern ist oft auch nicht klar, inwieweit dieser Überfluss ein Anspruchsdenken nach sich zieht.“ Es folgen sehr gute und konkrete Tipps, um Spielsachen auszusortieren und auszuwählen, welche bleiben sollten.

Auch in den Kapiteln „Einen Rhythmus etablieren“ und „Zeitpläne machen“ gibt es neben Hintergrundwissen und Beispielen viele praktische Tipps. Besonders das letzte Kapitel „Die Erwachsenenwelt herausfiltern“ hat mich angesprochen: Wie gehe ich mit meinen Ängsten und Sorgen um? Und wie kann ich mit meinen Kindern am besten über schlimme Dinge sprechen? Der Autor schreibt hierzu unter anderem: „Unsere Erwachsenenängste und -sorgen sollten nicht die Atmosphäre prägen. Kinder müssen wissen, dass sie in einer guten Welt leben. Sie müssen spüren, dass sie – beschützt von denen, die sie lieben – dort sind, wo sie hingehören.“ Und später: „Bevor Sie etwas sagen, stellen Sie sich folgende drei Fragen: Ist es wahr? Ist es nett? Ist es notwendig? Und ich würde ergänzen: Hilft es den Kindern, sich sicher zu fühlen?“

Simplify parenting
Wintergarten

Kleine Schritte mit großer Wirkung – Mit minimalen Veränderungen zu maximaler Zufriedenheit*“ von Miriam Junge

Die Autorin ist Psychologin, Psychotherapeutin und Coach. In diesem Buch hat sie all die kleineren und größeren Tipps und Tricks (micro habits) und jede Menge Hintergrundwissen zusammengefasst, die notwendig sind, um Veränderungen endlich anzugehen und umzusetzen.

Nach einer Einführung zu (hilfreichen und weniger hilfreichen) Gewohnheiten geht die Autorin im Buch nach den folgenden vier Schritten vor: 1. Ursachen und Auslöser erkennen, 2. Ein System entwickeln, 3. Neue Gewohnheiten wiederholen und verstärken und 4. Sich für kleine Erfolge belohnen. In jedem Kapitel greift sie die wichtigsten Themen auf und beschreibt hilfreiche micro habits. Sehr angenehm ist auch der persönliche Erzählstil der Autorin.

Insgesamt gab es in dem Buch für mich keine neuen Einsichten, aber immer mal wieder ein praxisnahes und angenehmes „Hier solltest du noch einmal genauer Hinsehen!“. So zum Beispiel die Achtsamkeitsübung gegen Ungeduld, eine Notfallübung für die Kasse, den Stau, die Warteschleife oder etwas, was mir auf dem Weg zu meinem Ziel im Wege steht:

„Frage dich zuallererst, ob es sinnvoll ist, jetzt wütend, genervt oder sogar aggressiv zu werden. Diese Emotionen sind in dir und ändern die Situation nicht. Eine Möglichkeit wäre, sich eine Alternative zu dieser Emotion zu suchen. Hast du vielleicht noch etwas zu planen? Kannst du die Wartezeit sinnvoll für andere Erledigungen nutzen?

Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Nutze die Zeit, um endlich mal tief durchzuatmen, dich zu strecken. […]

Wenn es tatsächlich länger dauern sollte, mache eine kleine Gedankenreise an deinen Lieblingsort. Wie sieht es dort aus, wie ist das Wetter, was spürst du?

Wenn viele Menschen um dich herum sind, achte auf ihre Gesichtsausdrücke. Reagieren sie auf Lächeln? Kannst du nonverbal kommunizieren?“

Für Leser, die sich mit dieser Thematik noch nicht auseinandergesetzt haben ist dies ein absoluter Lesetipp!

Okay, es ist doch etwas länger geworden heute. *Die Bücher sind Rezensionsexemplare und es handelt sich um Amazon-Partnerlinks.

Diese Artikel könnten dich ebenfalls interessieren