Bitte nicht schweigen! | Nach dem Tod unseres Mini-Mädchens

8. März 2013

Babybauch

 

Ich habe in den vergangenen Monaten so viele, liebe Kommentare und Mails zu unserem zweiten Tochtermädchen bekommen – vielen Dank dafür! Ganz viele haben mich gefragt, wie wir mit der Situation umgegangen sind, wie es uns geht und vor allem, was uns geholfen hat. Ich möchte heute etwas ausführlicher darüber schreiben.

Wir haben schon im vierten Schwangerschaftsmonat erfahren, dass unser Kind sehr schwer krank sein wird und möglicherweise nicht lange leben kann. Das war ein großer Schock für uns.

Neben Gesprächen mit Familie und Freunden haben wir uns Unterstützung bei einer Beratungsstelle für Pränataldiagnostik eingeholt. Mit vielen Themen hatten wir uns noch nie beschäftigt und es war sehr wichtig und hilfreich für uns, an Punkten, wo wir alleine nicht weiter kamen, Hilfe und Beratung anzunehmen.

Ein wichtiger Punkt war für uns, dass wir mit unserer „Großen“ über die Krankheit und die möglichen Folgen gesprochen haben. Natürlich in einer sehr einfachen Art, aber es war nötig, dass sie wusste, warum Mama und Papa oft so traurig sind. Wir haben mit ihr „Ich bekomme ein Geschwisterchen“-Bücher angeschaut und eines zum Thema Tod.

Als wir für uns die Entscheidung getroffen haben, dass wir unsere Minitochter bekommen wollen und sie leben soll, solange sie es schafft, haben wir uns auch entschieden, offen mit der Situation umzugehen. Unsere Familien, Freunde, Bekannte und Nachbarn wussten sehr früh Bescheid, haben uns unterstützt, für uns gebetet, an uns gedacht. Uns hat das sehr gut getan. Nach der Geburt haben wir in einem privaten Blog fast täglich geschrieben und Bilder veröffentlicht, so dass jeder, der wollte, auf dem aktuellen Stand war und wir nicht stundenlang telefonieren mussten.

Nach der ersten Diagnose und unsere Entscheidung für das Mini-Mädchen haben wir für uns eine „Pause“ eingelegt, haben die Schwangerschaft genossen, keine speziellen Arzttermine wahrgenommen und auch nichts weiter vorbereitet. Erst ab etwa der 32. Schwangerschaftswoche haben wir uns mit der Geburt und dem Danach beschäftigt: Wir haben die Babysachen gewaschen, das Zimmer eingerichtet, haben die neonatologische Intensivstation besucht (wo zu früh geborene und kranke Neugeborene versorgt werden) und uns mit dem Thema Tod und Beerdigung auseinandergesetzt. Wir haben alles in unserem Tempo unternommen und ich bin sehr dankbar dafür, dass mein Mann und ich sehr offen über alles sprechen konnten und alle Entscheidungen gemeinsam getroffen haben.

Nach der Geburt hatten wir viel Unterstützung durch den Bunten Kreis. Dort gibt es Unterstützung für Familien mit kranken Kindern: Praktische, pflegerische Unterstützung, Hilfe bei Papierkram und psychologische Unterstützung. Ohne die Hilfe wäre unser Mini-Mädchen wohl nicht mehr nach Hause gekommen.

Schließlich war es für uns wichtig, die Entscheidungen nicht nur den Ärzten zu überlassen, sondern mit ihnen im Gespräch zu bleiben, die Krankheit und die medizinischen Maßnahmen (im Rahmen des Möglichen) zu verstehen und auch anzusprechen, wenn wir etwas anders gesehen haben. Am Ende haben wir von uns aus die Entscheidung getroffen, nicht alles medizinisch mögliche auszuschöpfen – nach vielen Gesprächen mit Ärzten, Schwestern, einer Psychologin und Seelsorgern.

Wir sind sehr dankbar, dass unser Mini-Mädchen noch einmal nach Hause kommen konnte und wir alle zusammen waren, als sie gestorben ist. Das Palliativ-Team hat uns dabei sehr unterstützt und wir wussten, dass unser Mädchen nicht unnötig leiden musste.

Es ist gut, dass wir neben aller Traurigkeit wissen dürfen, dass unsere Kleine nun in den besten Händen ist, die wir uns nur vorstellen können. Das ist unser größter Trost!

Nun sind doch so einige Punkte zusammengekommen, die unbedingt in diesen Post mit rein sollten und ich hoffe, er erklärt, wie es uns im letzten Jahr gegangen ist und was uns geholfen hat.

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Papagena

Man hat immer diesen bewussten Umgang mit der Situation bei Euch gespürt. Diese Ruhe und Stabilität – trotz Trauer.
Schön, das noch einmal in einer Zusammenfassung nachvollziehen zu dürfen, ich habe große Achtung vor Eurer Stärke!

…Und das nun so rasch ein neuer Erdenbürger unterwegs ist, klingt wie eine Handreichung des Himmels… worin könnte wohl mehr Hoffnung liegen?!

Herzliche Grüße,
Papagena

gretel

Liebe Sonja, du hast das so berührend geschrieben. Ich finde es gut, dass du offen damit umgehst. Jeder kann von heute auf morgen mit einem kranken Kind konfrontiert sein und es ist eine große Hilfe wenn man weiß, man ist nicht alleine. Auch die vielen Hilfs- und Beratungsangebote sind ganz sicher eine gute Möglichkeit für die Eltern, mit schwierigen Situationen umzugehen. Ich habe es dir ja schon ganz oft geschrieben. Ihr seid eine großartige Familie, ich habe euch immer bewundert und viel an euch gedacht. Lg und ein schönes Wochenende

Pünktchen von KÖNIGkind

Liebe Sonja,
ich bin immer wieder tief berührt und habe Tränen in den Augen, wenn ich bei Dir über Eure kleine Maus lese.
Ich habe immer mit viel Bewunderung Deine Berichte hier verfolgt und Deine Kraft gespürt, bei der sich viele gefragt haben, woher diese Kraft kommt.
Ich weiß es und kann es nachvollziehen, man ist in solchen Situationen stark (meistens jedenfalls). Bei uns waren drei Schwangerschaften unsicher und eine mit eben einer solche Diagnose, allerdings durften wir am Ende doch ein gesundes Baby im Arm halten.
Ich wünsche Dir für Deine neue Schwangerschaft viel, viel Kraft und ich bete für Euch!
Gott segne Euch,
herzlichst,
Tessa

Brigitte

ich sitze hier und alles kommt wieder hoch…nur nicht schweigen, du hast recht!!! bei mir war es leider anders, das leben ging weiter und alles wurde verdrängt…ihr habt es richtig gemacht, trauern, hoffen, abschied nehmen, so kann man dann auch wieder unbeschwerter leben…..
ich wünsche euch von herzen alles, alles gute!!
herzliche grüsse von brigitte
p.s. ich bin dankbar, ich habe 3 gesunde mittlerweile erwachsene töchter, doch es vergeht kaum ein tag an dem ich nicht an meinen sohn denke….

nic

ich habe eher still beobachtet uns kaum kommentiert, weil ich zugegebenermaßen jemand bin, der mit dem thema krankheit und tod ganz schlecht umgehen kann. mir fehlen immer die worte für das für mich unfassbare.

aber ich möchte sagen, dass ich die ganze zeit sehr bewundert habe, wie ihr als familie mit der situation ganz bewusst umgeht und einen weg gefunden habt.

ihr seid unglaublich für mich.

liebe grüße
nic

spielpause

Liebe Sonja, ich drück Dich… immer voller Bewunderung, dass ihr einen so guten Weg gefunden habt. Herzliche Grüße, Marja

familylife

Liebe Sonja,

vorgestern sprach ich mit meiner Freundin über Blogs, die uns wichtig sind. Wir beide nannten Deinen. Und meine Freundin meinte, dass bei dem Thema Euer "Mini-Mädchen" für uns Leser erfahrbar war, wie "Annehmen pur" ist.

Danke dafür!

Uta

michaela

Liebe Sonja,

vielen Dank das Du immer so offen über das Thema gesprochen hast. Wir haben im Bekanntenkreis einen kleinen Jungen verloren, der kaum älter als meine Kleine war. Bei der Famlie kam es plötzlich… aber durch deine Postings konnte ich eine bessere Freundin sein, weil ich auch nicht geschwiegen habe sondern offen gefragt habe möchtest Du mit mir sprechen oder sollen wir schweigen. sie hat es gern angenommen und wir haben gemeinsam geweint.

Danke
michaela

Landei

Hallo Sonja,
dein blog habe ich ja erst kennen gelernt, als ihr euch schon von eurem zweiten Lieblingskind verabschiedet hattet.
Ich finde es mit euch schön, dass ihr sie zu Hause mitten in eurer Familie haben durftet – wenn auch nur kurz. Und es ist tatsächlich gut zu wissen, dass sie jetzt in den besten Händen ist und es ihr gut geht – und! dass ihr sie wiedersehen werdet!

Liebe Grüße vom
LandEi

Verboten gut

Liebe Sonja,

ein wunderschöner Beitrag. Du hast immer sehr offen gesprochen, das fand Ich immer ganz toll, so ein schweres Schicksal kann man alleine nicht stämmen, ich weiß wovon ich rede.
Bei uns siehts auch nicht so rosig aus, bin immer mit allem alleine, dass ist so schwer, Du hast Glück so viele liebe Menschen zu haben.

Ich wünsche Dir alles Glück dieser Erde und ein quicklebendiges Baby das euer Leben mit Liebe & Glück bereichert.

Lass dich drücken
LG Kerstin

Judith

Liebe Sonja!
So mutig von Dir, über all das zu schreiben…kann dich nur bewundern! Und du hast meinen größten Respekt, das ihr euch wieder für eine Schwangerschaft entscheidet…wahnsinn, wie sehr ihr zusammenhaltet!
Ich wünsche Dir und deiner Familie alles erdenklich Gute für diese Schwangerschaft und weiterhin viel Kraft für euern weiteren Weg…auf dem das Minimädchen sicher seinen Platz hat!

ChELseA LaNE

Liebe Sonja,
DANKE ….!
Ich glaube meine Vorkommentatorinnen haben alles gesagt, was gesagt werden kann! Ich muss oft an euch denken und freue mich von ganzem Herzen über deine erneute Schwangerschaft! 😉
Liebe Grüsse an dich,
die von ganzem Herzen kommen,
Claudia

Flottelottablau

Liebe Sonja, vielen Dank für deinen Bericht. Ich kann jetzt viel besser verstehen, woher du die unglaubliche Kraft genommen hast, mit dem frühen Tod deiner Tochter so, wie du es immer beschrieben hast, umzugehen. Ich bewundere es sehr, dass Ihr der Tochter die Zeit gegeben habt, die ihr zur Verfügung stand…so mancher hätte sich eher für einen Spätabbruch der Schwangerschaft entschieden. Für die jetzige Schwangerschaft wünsche ich alles erdenklich Gute! LG Lotta.

Jumie

Danke.
lg jumie

Julika

Liebe Sonja,
ich habe gestern erst Deinen Blog entdeckt und habe mir auch alles über Dein süßes Mini-Mädchen gelesen. Ihr seid wirklich einen ganz mutigen Weg mit ihr gegangen! Ich wünsche Dir wunderbare Tage in Deiner dritten Schwangerschaft und ein ganz gesundes Mini-Mäuschen.
Ganz liebe Grüße
Julika

Miss JennyPenny

Liebe Sonja,

vielen Dank für diese offenen Worte! Schweigen ist nie gut! Toll wie ihr damit umgeht und dass ihr uns daran teilhaben lasst!

Schön, dass ihr so viel Unterstützung erfahren habt, toll dass es überhaupt so viel Unterstützung gibt!

Ich wünsche euch wie ich es schon oft geschrieben habe, vom Herzen alles Gute und das meine ich wirklich aus tiefsten Herzen!

Viele liebe Grüße von Jenny

Herr Bohne, Babymädchen und Sina

Ihr seid wunderbare Eltern und aus jedem Wort in diesem Post liest sich eure Stärke, davor habe ich den allergrößten Respekt.
Von Herzen alles, alles Liebe für euch.
Sina

noz!

Liebe Sonja,

wie so oft fehlen mir die Worte. Worte, die du im Gegensatz dazu so scheinbar leicht zu uns transportieren kannst. Worte, die Traurigkeit und Stärke in einem senden.
Ihr habt meinen allergrößten Respekt!
Und danke für dieses Post, denn jetzt kann ich einiges besser verstehen.

Ich wünsche euch alles alles Gute und eine große Vorfreude ohne Angst auf den neuen Erdenbürger!

Alles Liebe Katja

yase

Liebe Sonja,
Mutig, tapfer, stark.
Als Mami in ähnlicher Situation, ähnlicher Geschichte weiss ich, es ist schwer, es ist schmerzhaft, unendlich traurig. Und es ist,wie es ist. Auch gut. Irgendwann.
Dir und deiner Familie wünsche ich Gottes Segen für alles
yase

LiBellein

Liebe Sonja, Bitte nicht schweigen….das klingt wie eine Aufforderung: Letztes Jahr im Sommer las ich, wie sehr ihr Euch über Eure kleine Tochter gefreut habt und , daß ihr sie wieder gehen lassen musstet. Ich schwieg, mit Tränen hier am Bildschirm….und wußte, wie Dankbar ich sein darf, daß ich gesunde Kinder habe. Ich selbst bin die Tochter eines Paares, dessen 6 Monate altes Baby verstorben ist, bevor ich geboren wurde. Eine stille Last lag auf der Familie, die sich erst löste, als meine Mutter uns im Teenageralter, von diesem Verlust erzählte…..Es ist beeindruckend, wie Du und Deine Familie mit dem… Read more »

Das kunterbunte Känguru

Liebe Sonja,

ich musste so manche Träne weinen, als ich über euer Mini-Mädchen gelesen habe. Ihr habt als Familie soo viel Stärke bewiesen! Ich wünsche Dir/Euch alles, alles Gute für die aufregende Zeit der Schwangerschaft und danach!

Liebe Grüße
Christiane